Artikel erschienen am 10.05.2013

Zentrenbildung in der Endoprothetik

Weltweit erste umfassende Qualitätsoffensive beim künstlichen Gelenkersatz

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

Nachdem sich im Bereich der Brust- und Darmchirurgie die Zentrenbildung bewährt hat, hat nun auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) das weltweit erste und umfassende Zertifizierungsverfahren zum Endoprothesenzentrum entwickelt, welches der Qualitätsverbesserung der Endoprothetik dienen soll.

Die Endoprothetik in Deutschland wird auf einem qualitativ, aber auch zahlenmäßig hohen Level durchgeführt. Derzeit werden jährlich über 380 000 Hüft- und Kniegelenke in Deutschland eingesetzt. Damit stehen wir weltweit nahezu an der Spitze bezogen auf die Einwohnerzahl. Auch wenn die Qualität als sehr hoch eingestuft werden kann, ist die Qualität in der Versorgung zwischen einzelnen Kliniken sehr schwankend. In einem Drittel aller Kliniken werden weniger als 50 Knie- oder Hüftprothesen eingebaut. Um die Qualität der Endprothetik des Hüft- und Kniegelenkes weiter zu verbessern, hat die DGOOC ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, welches die Abläufe der Endoprothetik sehr kritisch betrachtet und klare Vorgaben für die Qualifikation des Operateurs, die Ausstattung der Operationssäle sowie die Qualität der Prozesse und Strukturen macht. Um zertifiziert zu werden, gilt es einen über 50-seitigen Anforderungskatalog umzusetzen. In diesem Zertifizierungsverfahren wird zwischen Maximalzentren und Zentren unterschieden. Die Minimalanforderung an einen Operateur in einem solchen Zentrum ist, dass er persönlich 50 Kunstgelenke oder 50 Austauschoperationen von Kunstgelenken im Jahr operiert. Die Leiter eines Maximalzentrums müssen 100 endoprothetische Eingriffe pro Jahr vornehmen. Somit ist gewährleistet, dass bei jeder Operation ein erfahrener bis sehr erfahrener Operateur zugegen ist. Das Angebot an Kunstgelenken muss alle Schwierigkeitsgrade abdecken. Die Strukturen dieser Zentren sind klar definiert. So ist z. B. die Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten – z. B. mit Mikrobiologen, mit Pathologen, mit Gefäßchirurgen und Radiologen – klar definiert. Ebenso ist für gewisse Indikationsbereiche eine Intensivstation gefordert. Gleiches gilt für die Strukturen – die von dem Erstkontakt mit dem Patienten bis zur Nachsorge klar geregelt sind. Dies alles dient dem reibungslosen Ablauf. Hier spielt Wartezeit auf einen Termin ebenso eine Rolle wie die OP-Dauer. Die Zentren haben bestimmte Qualitätskriterien zu erfüllen. So ist z. B. die Infektionsrate, die Rate der Verrenkungen und die Rate der intra- und postoperativ auftretenden Brüche zu dokumentieren und wird jährlich ausgewertet. Ebenso ist eine Patientenbefragung vorgeschrieben. All dies dient der Optimierung der Ergebnisse der Endoprothetik und letztendlich der Zufriedenheit des Patienten.

Die derzeit zertifizierten Kliniken sind auf der EndoCert-Website aufgeführt. Wesentlich ist ebenso die Teilnahme am neu etablierten deutschen Endoprothesenregister, welches die Qualität der Implantate und der implantierenden Kliniken langfristig darstellt.

Die Zertifizierung besagt, dass eine Klinik die hier geforderten Kriterien vollständig erfüllt. Eine nicht vorhandene Zertifizierung ist jedoch nicht zwangsläufig ein Indiz für schlechte Qualität.

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