Artikel erschienen am 10.05.2013
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Von den Fingern auf dem Klavier zur Musik in meinen Ohren

Von Steffi von Siegroth, Braunschweig
Steffi von Siegroth
Steffi von Siegroth
Hörakustikmeisterin

Interessante Gespräche verfolgen, sich unbeschwert austauschen, Musik hören oder sich sicher im Straßenverkehr bewegen. All das sind Erlebnisse, die wesentlich zur Lebensqualität beitragen – und genauer betrachtet untrennbar mit gutem Hören verbunden sind.

Unser Ohr ist ein sehr komplexes Organ. Es besteht aus dem Außenohr (Ohrmuschel, Gehörgang), dem Mittelohr (Trommelfell, Gehörknöchelchen) und dem Innenohr (Sinneszellen, Hörnerv).

Die Ohrmuschel nimmt die akustischen Signale unserer Umwelt auf. Die Schallwellen werden zum Trommelfell geleitet. Dieses ist mit der Gehörknöchelchenkette verbunden und bringt sie in Bewegung. Die Gehörknöchelchen leiten die Signale an die Haarsinneszellen der Hörschnecke. Die Haarsinneszellen wandeln den Schall in elektrische Impulse um und diese werden über den Hörnerv zum Gehirn gesendet. Erst das Gehirn entschlüsselt, ob es sich bei den empfangenen Signalen um Sprache, Musik oder Nebengeräusche handelt.

Warum funktioniert das Gehör nicht mehr optimal?

Rund 15 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Hörminderung, d. h., die Übertragung der Geräusche an das Gehirn funktioniert nicht mehr optimal. Die Ursachen für solche Störungen sind unterschiedlich. Und es trifft nicht nur sehr alte Menschen oder solche, die hohen Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

Unser Gehör ist permanent einer mehr oder minder lauten Beschallung ausgesetzt – z. B. durch Lärm im Straßenverkehr, im Büro oder durch Musik. Wir können unsere Ohren, anders als unsere Augen, nicht verschließen, damit sie sich erholen können. Sie arbeiten rund um die Uhr, unser ganzes Leben lang. Das führt immer häufiger zu relativ frühen Einschränkungen des Hörvermögens in Form von Innenohrschwerhörigkeit. Diese kann, im Vergleich zur Mittelohrschwerhörigkeit, nur mit Hörgeräten ausgeglichen werden.

Die Minderung des Hörvermögens ist häufig ein unbemerkter, schleichender Prozess.

Hörverschlechterungen kommen schleichend und man gewöhnt sich daran, einige Dinge leiser oder gar nicht mehr zu hören. Viele Betroffene finden sich damit ab, Gesprächen in geräuschvoller Umgebung nicht mehr so gut folgen zu können. Dies hat allerdings zur Folge, dass sich auch die nicht mehr genutzten Nervenbahnen zum Gehirn zurückbilden. Je länger man wartet, desto länger dauert auch die Rückgewöhnung, da das Hören erst wieder gelernt werden muss, d. h., die ungenutzten Nervenbahnen müssen neu aktiviert werden. Nehmen Sie daher ruhig ernst, wenn Ihr Mann oder Ihre Frau Ihnen sagt: „Du hörst immer schlechter, geh doch mal zum Arzt !“

Was kann ich tun, wenn ich nicht mehr so gut höre wie früher?

Am Anfang ist der schwierigste Schritt häufig das Eingeständnis: Ich höre wirklich nicht mehr so gut wie früher. Dann steht eine ausführliche Diagnostik des HNO-Arztes an. Er führt spezielle Untersuchungen und Messungen Ihres Gehörs durch. Wenn eine Hörminderung vorliegt, die mit Hörgeräten versorgt werden kann, stellt er Ihnen eine Verordnung aus. Mit dieser Verordnung suchen Sie dann einen Hörgeräteakustiker Ihres Vertrauens auf.

Wie erhalte ich ein Hörsystem, das zu mir passt?

Der Hörgeräteakustiker Ihrer Wahl berät Sie individuell und sucht für Sie die passenden Hörsysteme aus. Die enormen technischen Entwicklungen der modernen Hörsysteme sorgen für individuellen und unauffälligen Ausgleich der Einschränkungen. Während der Anpassphase können verschiedene Hörsysteme speziell für Ihre Bedürfnisse eingestellt werden. In der mehrwöchigen Probephase testen Sie die Systeme in Ihrem gewohnten Umfeld und Sie vergleichen selbst, mit welchen Geräten Sie am besten zurechtkommen. Zubehör für das Telefonieren, Fernsehen usw. sind für einige Geräte zusätzliche Optionen, aber nie ein Muss. Ein guter Hörgeräteakustiker berät Sie auch immer im Hinblick auf Kosten und Leistung der Geräte – Sie entscheiden, was Sie benötigen – im Rahmen Ihres Budgets.

Die ausführliche Fachberatung, die intensive Begleitung in der Probephase und die Anpassung der Geräte durch den Hörgeräteakustiker trägt erheblich zu einem langfristigen Hörerfolg bei. Nach der Anpassungsphase, die je nach Grad der Hörminderung wenige Wochen bis zu einigen Monaten dauern kann, spüren Sie eine deutliche Verbesserung in den Gesprächen mit der Familie, Freunden und Kollegen. Viele Hörgeräteträger stellen zusätzlich fest, dass sie weniger müde sind, sich nicht mehr so angestrengt fühlen – und nicht mehr so isoliert, denn jetzt können ihre Gesprächspartner wieder unbeschwert mit ihnen sprechen. Je früher Sie sich für eine Unterstützung Ihres Hörsinns entscheiden, desto leichter und schneller fällt die Anpassungsphase aus und Sie erreichen wieder eine höhere Lebensqualität.

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