Artikel erschienen am 10.05.2013
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Künstlicher Gelenkersatz in der Orthopädie

Neben guter Operation sind Prozess- und Strukturqualität gefragt

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

Der Einbau eines künstlichen Gelenkes zählt zu den etablierten und sehr häufigen OP-Verfahren. Die Techniken werden ebenso wie die Implantate immer weiter verfeinert. Am Hüftgelenk sind besondere Zugangswege (minimalinvasives Operieren), Kurzschaftprothesen sowie moderne Gleitpaarungen von wesentlicher Bedeutung (Abb. 1). Im Bereich des Kniegelenkes kommt es ebenso zur Verfeinerung der Implantate. Hier sind für ausgewählte Fälle Gelenkteilersatzoperationen sinnvoll (isolierter Ersatz der Kniescheibenrückfläche nebst Gleitfläche oder innere oder äußere Schlittenprothese). Des Weiteren dominiert hier der sogenannte Oberflächenersatz (Abb. 2). Auch hier sind OP-Technik und die zu wählenden Materialien von wesentlicher Bedeutung.

Abb. 1: Kurzschaftprothese mit Keramik-Keramik-Gleitpaarung

Die Erfahrung des Operateurs sowie die Wahl des Implantates sind enorm wichtige Parameter für die Wahl der Klinik. Neben diesen spielen jedoch weitere Faktoren eine wesentliche Rolle. Die Klinik sollte über ein ausreichendes Angebot an verschiedenen Implantaten verfügen, um jeder Situation gerecht zu werden. Die zu therapierenden Gelenke sind von ihrer Form und Größe sehr unterschiedlich, sodass man einer adäquaten Auswahl an Prothesen bedarf, um jede Situation zu beherrschen. Dies gilt insbesondere im Falle eines Wechsels des künstlichen Gelenkes. Neben der Prothesenauswahl spielt die Wahl des Operateurs eine wesentliche Rolle. Der Operateur sollte über eine ausreichende Erfahrung mit der jeweiligen Methode verfügen. Insbesondere sollte er eine ausreichende Anzahl dieser Operationen regelmäßig durchführen.

Abb. 2: Oberflächenersatz am Kniegelenk

Ebenso wichtig sind jedoch die Struktur- und Prozessqualität in der Klinik, in der man operiert wird. Hier spielt der koordinierte Ablauf nach der Operation eine wesentliche Rolle. Die Zertifizierung einer Klinik kann von Vorteil sein. So ist es sinnvoll, entsprechende Schemata (Pathways) einzuführen, die einen geordneten Ablauf nach der Operation garantieren. Methoden des Qualitätsmanagements, z. B. zur Vermeidung der Seitenverwechslung (Team-time-out) sollten angewandt werden. Es sollten zudem ausreichend qualifizierte Krankengymnasten zur Nachbehandlung zur Verfügung stehen. Eine Intensivstation am Ort der Operation ist ebenso bedeutend wie die Anwesenheit eines Internisten, sofern Schwierigkeiten nach der Operation auftreten, auch wenn dies eher selten ist. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Anwesenheit eines Schmerztherapeuten und die Durchführung einer geordneten Schmerztherapie im Sinne von medikamentöser sowie kathetergestützter Schmerztherapie. Letztere kann insbesondere beim Einsatz künstlicher Gelenke sehr hilfreich sein. Es muss heute nach der Implantation eines künstlichen Gelenkes kein Schmerz mehr ertragen werden. Sofern dieser auftritt, kann man ihn über die standardisierte Schmerztherapie, die dennoch individuell angepasst wird, sehr gut beherrschen. Ebenso sollte eine Sozialarbeiterin zur Koordination der Anschlussheilbehandlung nach durchgeführter Endoprothesenoperation in der Klinik beschäftigt ein.

Diese Aspekte sollten neben der Wahl der Prothese und der Erfahrung des Operateurs für den Betroffenen wichtige Auswahlkriterien sein.

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