Artikel erschienen am 10.05.2013

Haben Sie das Gefühl, sich nichts mehr merken zu können?

Von Dr. med. Katja Dyga, Königslutter am Elm

Viele Menschen leiden unter vermeintlichen Gedächtnis-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Ab der Lebensmitte kann dabei leicht die Angst entstehen, dement zu werden. Hinter den oben genannten Symptomen muss aber nicht gleich eine Demenz stecken.

Andere psychische und körperliche Erkrankungen können solche Befindlichkeitsstörungen verursachen. Dazu gehören z. B. Schlafstörungen (insbesondere mit nächtlichen Atemstörungen, sogenanntes Schlafapnoe-Syndrom), Depressionen und Stoffwechselerkrankungen. Mit zunehmendem Alter, etwa ab dem Alter von 65 Jahren, steigt jedoch in der Tat die Gefahr, eine Demenz zu entwickeln.

Die häufigste Form dabei ist die Alzheimer-Demenz – sie kann jeden treffen. Der größte Risikofaktor, eine Demenz zu entwickeln, ist weiterhin das Alter.

Aber egal, welche Ursachen die Befindlichkeitsstörungen haben, sie gehen häufig mit einem langen Leidensweg und einer Ratlosigkeit des Betroffenen, aber auch der Angehörigen einher, bevor – wenn überhaupt – eine qualifizierte Diagnostik erfolgt. Diese lohnt sich aber auf jeden Fall, weil bei rechtzeitiger Diagnosestellung eine entsprechende Beratung und ggf. Behandlung mit dem Ziel der Heilung, der Symptomlinderung bzw. im Falle von Demenzerkrankungen mit dem Ziel der Verzögerung des Prozesses erfolgen könnte.

Bei einer Demenzentwicklung fällt meistens den Menschen in der Umgebung zuerst auf, dass sich der Betroffene verändert hat. Dabei können primär Störungen der Gedächtnisleistungen mit damit einhergehenden Verhaltensänderungen im Alltag auftreten. So kommt es nicht selten bei den Betroffenen zu einer depressiven Grundstimmung, unsicherem Verhalten, aggressiven Verhaltenstendenzen und zum Rückzug. Auch können zunehmend Termine vergessen werden und eine misstrauische Grundhaltung auftreten, die unter Umständen dazu führen kann, dass Angehörige des Diebstahls beschuldigt werden.

Jeder dritte Mensch, der älter als 65 Jahre ist, hat mindestens leichte Schwierigkeiten mit der geistigen Leistungsfähigkeit, jeder dritte Mensch, der älter als 85 Jahre ist, hat eine Demenzerkrankung. Wie oben erwähnt, ist die Alzheimer-Erkrankung nach bisherigem Kenntnisstand immer noch die häufigste Form einer Demenz.

Es gibt jedoch auch viele andere Erkrankungen, die zu einem Demenzprozess führen können. Unter anderem können Stoffwechselerkrankungen (z. B. Schilddrüsenfunktionsstörungen), Medikamentenabhängigkeiten (vor allem Benzodiazepine) und auch Vitaminmangelerscheinungen (z. B. Vitamin B1-, B6- oder B12-Mangel). Weiter können ein langjähriger Alkoholmissbrauch und/oder Vergiftungen mit Blei oder Quecksilber zu Demenzerscheinungen führen, um nur einige Ursachen zu benennen.

Die Feststellung eines Demenzsyndroms sollte durch eine/-n entsprechend qualifizierte/-n Arzt/Ärztin erfolgen. Dabei wird versucht werden, eine Ursache zu finden. Dazu gehören insbesondere Befragungen von Betroffenen und Angehörigen, u. a. eine körperliche Untersuchung, unterstützende testpsychologische Untersuchungsverfahren und Untersuchungen von Blutwerten und ggf. eine apparative Diagnostik (z. B. EKG, EEG, bildgebendes Verfahren des Kopfes). Ist ein Mensch von einem Demenzprozess betroffen, führt es auch in der Regel zur Belastung für Angehörige, insbesondere, wenn diese nicht aufgeklärt worden sind und sich entsprechend Hilfe holen können. Ihre Lebensqualität verändert sich durch Einschränkungen der zur Verfügung stehenden Zeit für sich selbst. Die Angehörigen müssen auch sehr viel Geduld aufbringen, leiden nicht selten irgendwann unter erheblichen Gesundheitsproblemen mit Erschöpfung und Müdigkeit, die gesamte bisherige Lebensplanung muss nicht selten umgestellt werden. Man wird selbst zunehmend aggressiv und gereizt und ist mit der Lebenssituation unzufrieden. Außerdem treten zunehmend Ängste auf, selbst zu erkranken.

Weiterhin kann es innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis wegen Kleinigkeiten zunehmend zu Streitigkeiten aufgrund von Missverständnissen und Misstrauen kommen. Angehörige sind häufig unsicher im Umgang mit den Betroffenen, selten kann man das veränderte Verhalten von an Demenz erkrankten Menschen akzeptieren, insbesondere, wenn keine Aufklärung erfolgt ist.

Ob sich der betroffene Mensch einer (rechtzeitigen) Diagnostik unterzieht, hängt u. a. auch davon ab, in welchem Krankheitsstadium sich dieser befindet, ob eine Einsicht und ein Leidensdruck vorliegen.Angehörige schaffen es häufig zunächst nicht, den Betroffenen diesbezüglich zu einem Gang zum Hausarzt zu bewegen.

Auch in der heutigen Zeit bleiben leider häufig Demenzerkrankungen zunächst unentdeckt, deshalb finden entsprechende Beratungen nicht statt und somit entsteht viel Leid innerhalb der Familie.

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