Artikel erschienen am 10.05.2013

Generika als Alternative zum Original?

Von Geert-Helmut Oortmann, Braunschweig

Orale Kontrazeptiva – oder die „Pille“

In Deutschland nutzen etwa 50 % aller Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren, die eine Partnerschaft führen, die Pille. Im Jahr 2010 gingen für über 580 Mio. Euro Anti-Baby-Pillen über den Ladentisch der Apotheken. 2013 wird dieser Umsatz trotz steigender Packungszahlen fallen. Der Grund dafür: Die Präparate sind heute bei gleicher Qualität um bis zu 60 % kostengünstiger. Nutzen Sie die Vielfalt der Angebote für Ihre Bedürfnisse. Sie können überlegen, dies zu nutzen. Über die richtige Präparatewahl entscheidet der Frauenarzt. Hierbei spielen u. a. Aspekte wie Alter, Gewicht und Hautbild eine Rolle. Auch die Information, ob die Anwenderin Raucherin oder Nichtraucherin ist, ist dabei von Belang.

Marktsituation – „Teurette“ oder „Preisnette“?

Während noch 2005 der Markt bei der „Pille“ mit ca. 11 Hauptpräparaten in je 3 Packungsgrößen von 6 Originalherstellern mit auffällig einheitlichem Verkaufspreis bestimmt wurde, gibt es 2013 über 300 verschiedene Präparate. Diese verteilen sich auf ca. 6 Original- und 26 Generikahersteller. Die Patentrechte sind abgelaufen und 20 sogenannte Generikafirmen kommen mit ihren Analogpräparaten auf den Markt und entfachen nunmehr einen Preiswettkampf. Als Generika bezeichnet man Arzneimittel, die eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments sind (qualitativ und quantitativ vergleichbar). Aber auch die Originalanbieter selbst bringen günstigere Varianten ihrer eigenen Toplabels heraus. Zudem widmen sie auch sich den Marken der Konkurrenz.

Wie sieht nun eine sinnvolle Vorgehensweise aus?

Eine im Sinne der Kunden handelnde Apotheke prüft Ihr Kontrazeptivum auch auf den Preis. Oftmals ist dieser aus Sicht der Kundin nicht optimal. Anwenderinnen können daher Informationen über verfügbare preisgünstige Pillenvarianten gegeben. Es muss auf die identische Zusammensetzung hingewiesen werden und eine Beratung zum Qualitätsstandard der jetzt insgesamt ca. 26 Generika- und 6 Originalhersteller erfolgen. Natürlich ist ein Hinweis auf die verschiedenen Nebenwirkungen unabdingbar.

Eine vertrauensvolle Apotheke führt ihre Kunden sicher durch den Dschungel von Kunstnamen der verschiedenen angebotenen Pillen. Gemeinsam mit Ihnen wird geprüft, ob eine „Teurette“ durch eine geldbeutelschonende „Preisnette“ ersetzt werden kann und soll. Dabei findet eine Individualisierung auf die jeweilige Person statt. Ihre Entscheidung ist sicherlich auch immer eine Frage des Vertrauens. Ob Sie einen Ratschlag annehmen, ist allein Ihnen überlassen. Wichtig ist: Ihre jetzige Pille und/oder eine mögliche Analog-Pille müssen individuell zu Ihnen passen. Sie sollen sicher sein und sich sicher fühlen. Sind Sie das nicht, bleiben Sie bitte bei Ihrer Pille. Aber Sie haben für sich die Gewissheit, das Thema (für sich) geklärt zu haben.

Geht’s noch?

Es geht um die wichtigste Sache zumindest der „Männerwelt“, die von diesen völlig grundlos teilweise immer noch tabuisiert wird. Hormonelle oder psychische Einflüsse, Erkrankung von Blutgefäßen, Prostata, Hormonschwankungen, Betablocker gegen Bluthochdruck etc. – viele Faktoren können zur Entstehung einer herabgesetzten Potenz beitragen. Hier ist es wichtig, bei einem Arzt die Ursachen zu erforschen. Ist eigentlich alles in Ordnung und brauchen Sie nur ein wenig Unterstützung, so bekommen Sie von Ihrem Urologen oder Allgemeinmediziner einen sogenannten PDE5-Hemmer verordnet. Das geschieht auf Privatrezept. Daher ist es wichtig, den Kostenrahmen zu kennen. Die Potenzmittel der Wirkgruppe der PDE5-Hemmer bewirken das Einströmen von Blut in den Schwellkörper. Dies passiert nicht sofort ohne Weiteres, sondern nur, wenn zusätzlich eine sexuelle Stimulation erfolgt.

Der diesbezügliche Wirkstoff namens „Sildenafil" ist im Übrigen ursprünglich bei der Erforschung von Mitteln gegen Bluthochdruck gefunden worden. Die zufällig entdeckte Nebenwirkung der Potenzsteigerung wurde dann als Hauptwirkung genutzt. Bisher wird der Bedarf an diesen Präparaten nur zu 30 % über Apotheken abgewickelt. Ein weiteres Drittel bedient sich aus dem Internet und über diverse Schwarzmarktkanäle „Ihres Vertrauens“. Vertrauen muss man dabei auch haben, denn eine Garantie für die Qualität in diesem Markt gibt es nicht. Überdies ist es illegal. Das letzte Drittel sind Patienten, die gern mal gefragt hätten, sich das aber noch nicht endgültig getraut haben.

„Pisagra“ wird kommen

Ab dem 23.06.2013 ist es so weit. Nach Patentablauf werden auch Generikahersteller die Möglichkeit bekommen, Mittel mit dem Wirkstoff „Sildenafil“ zu produzieren und auf den Markt zu bringen – mit aller Voraussicht nach günstigerem Preisniveau. Durch den Preiswettkampf ist es jetzt lukrativ und überdies gesünder, Sildenafil-Präparate unter Aufsicht eines verschreibenden Arztes zu verwenden und das Internet zu meiden. Mit einem erheblichen Preisvorteil von ist endlich zu rechnen. Die Tagestherapiekosten werden sich wohl von jetzt ca. sieben Euro auf ca. drei Euro einpendeln. Auch hier ist eine Apotheke ein offener Ansprechpartner, der auch diskret zu Wirkungen, Nebenwirkungen und zu einem möglichen Firmenwechsel berät.

Und diese so schön weltlichen Präparate besprechen wir durchaus gern!

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