Artikel erschienen am 01.05.2012
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Heute schon getanzt?

Von Katharina Kleinschmidt

Wer sind eigentlich die Menschen, die Implantate erhalten? Welche Persönlichkeiten, welche Geschichten stehen dahinter? Heute stellen wir Ihnen aus der Reihe „Patienten berichten“ Isabell aus Celle vor. Die 19-Jährige steht mit beiden Beinen im Leben und hat trotz ihrer jungen Jahre viel Erfahrung mit Zahnproblemen. Die gehören jetzt der Vergangenheit an.

Unzählige Beads1 klappern lustig an ihrem Handgelenk. Da reihen sich in munterer Folge ein Schutzengel von der Chefin, ein Erinnerungsstück vom Bruder, ein Andenken von den Eltern und ein Schuh als Symbol für eine große Leidenschaft. „Seit ich zehn bin, tanze ich ständig, Jazz, Hip-Hop, Standard, einfach alles. Ich könnte stundenlang tanzen“, schwärmt Isabell. „Als ich noch in der Schule war, habe ich sieben Tage in der Woche in zwei Tanzschulen in Celle und in Hannover getanzt“, erklärt sie. Und das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert: Ihr Tanzlehrer bot ihr nach der Schule einen Ausbildungsplatz zur ADTV-Tanzlehrerin an, den sie ohne großes Zögern ergriff.

Auf dem Lehrplan steht jetzt das Welttanzprogramm, also das Repertoire für die Grundkurse, das fortgeschrittene Medaillentanzen und Hobby- und Fitness­tanzen, zum Beispiel der neue Modetanz Zumba2. Es gilt, Fußarbeit, Drehgrade und Tanzrichtungen genauso wie die Didaktik zu lernen. Die praktische Erfahrung eignet sie sich in der ADTV-Tanzschule Krüger an, wo sie bereits eigene Kurse als Salsa- und Zumba-In­structorin leitet. Inzwischen ist die lebenslustige junge Frau im zweiten Lehrjahr und mit dem gleichen Enthusiasmus wie am Anfang dabei. „Das Team ist klasse, die Chefs sind toll – es macht einfach Spaß“.

Gut vernetzt

Tanzen ist gesund und tut dem ganzen Körper gut. Begeistert erzählt Isabell von speziellen Tanzkursen für Demenzkranke. Unter dem Motto „Wir tanzen wieder“ lernen die Erkrankten, sich zu Musik zu bewegen. „Die Betroffenen blühen wieder auf. Man merkt, dass sie die alten Lieder wiedererkennen und gerne dazu tanzen. Das machen die richtig klasse“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Die Frage nach eigenen Hobbys und Freizeitbeschäftigungen erübrigt sich („Tanzen!“). Hinter allem steht ein großes Ziel, nämlich später Inhaberin einer eigenen Tanzschule zu sein. Das offene und sympathische Auftreten der Tanzbegeisterten kommt ihr da bestimmt entgegen. „Ich lerne viele neue Menschen kennen. Wenn ich durch Celle gehe, treffe ich an jeder Ecke Bekannte aus den Kursen“, freut sie sich. Auch die üblichen sozialen Netzwerke („Klar. Da bin ich überall angemeldet.“) nutzt sie zur Kommunikation, zumindest mit der jüngeren Generation. „Meine Pläne will ich auf jeden Fall verwirklichen“, ist Isabell entschlossen: „Ich weiß genau, was ich will“.

„Dumm gelaufen“

2004 ist Isabell, elfjährig, mit dem Fahrrad unterwegs zum Flötenunterricht. Die Notentasche baumelt am Lenker. „Dumm gelaufen. Die Tasche hat sich in den Speichen verfangen, und ich über den Lenker“, erzählt sie trocken. Die Bilanz: Eine Frontzahnlücke regio 11 und drei in Mitleidenschaft gezogene Nachbarzähne. Eine versuchte Replantation des Zahns scheitert. Viele Zahnarztbesuche, eine Spange, eine Schiene und einige Malheurs mit einem Provisorium, das sich gerne selbstständig macht, folgen. „Ich habe mich jahrelang unwohl gefühlt mit den Zähnen und allenfalls mit der Hand vor dem Mund gelacht“, beschreibt sie ihre Leidensgeschichte. Vor zwei Jahren kommt sie dann in eine implantologische Praxis nach Braunschweig. Die liegt nicht gerade vor der Haustür, aber „Meine Mutter hatte etwas über ihn gehört und gesagt: ‘Isabell, da gehen wir hin‘.“

Zunächst erfolgt eine Augmentation mit einem körpereigenen Knochenblock und die endodontische Behandlung der Nachbarzähne. Sechs Monate später wird ein Dentsply OsseoSpeed TX Profile-Implantat inseriert. Die prothetische Behandlung übernimmt der Hauszahnarzt aus Lachendorf, parallel werden die beschädigten Nachbarzähne überkront. Vor der Farbanpassung wünscht sich Isabell, für die die Ästhetik der Zähne außerordentlich wichtig ist, ein Bleaching der Restbezahnung. „Jetzt ist alles fertig und es sieht total echt aus. Keiner merkt etwas.“, lächelt der Noch-Teenager. Und ergänzt ernster: „Ich musste vieles wieder neu lernen, zum Beispiel das Abbeißen. Jahrelang habe ich nur mit der Seite gegessen, weil ich das Provisorium nicht beschädigen wollte. Jetzt bin ich nur begeistert von der Behandlung – habe eben doch die richtigen Ärzte gewählt.“

Fußnoten

1 Beads – Früher nannte man es ‚Bettelarmband‘, heute sind Beads ein beliebter Modeschmuck. Beads gibt es mit geometrischen Mustern oder in fast jeder erdenklichen Form, zum Beispiel als Schlüssel, Auto oder Tier. Beads werden an einem Armband gesammelt und als Symbole für Erinnerungen, Wünsche oder liebe Menschen getragen.

2 Zumba – der Gute-Laune-Tanz des Jahres, Urlaubsfeeling inklusive. Man soll bis zu 1000 Kalorien in der Stunde verbrennen können, die Rhythmen machen Spaß und sprechen junge wie ältere Menschen gleichermaßen an. Zumba ist von lateinamerikanischen Tänzen inspiriert und wird zu einem Rhythmus-Mix aus verschiedenen Musikstilen getanzt.

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