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HPV – Human-Papilloma-Virus

Von Dr. med. Andreas Bodlien, Braunschweig

In den letzten Jahren geraten zunehmend Infektionen mit HPV-Viren, die Haut- und Schleimhautzellen schädigen können, in den Fokus der medizinischen Forschung. Zurzeit sind an die 200 Virentypen bekannt, die nicht unbedingt eine ernsthafte Erkrankung auslösen müssen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie HPV-Viren in sich tragen. Eine Übertragung findet durch Haut- oder Schleimhautkontakt, je nach Virustyp, statt.

Unter den 200 Virentypen gibt es 40 ver­schiedene, die schwer­wiegendere Ver­änder­ungen verursachen können und Krebs­erkrankungen triggern. Sie werden als High-​Risk-​Typen klassifiziert. Die bekanntesten Krebs induzierenden Viren sind HPV 16 und 18, die Gebär­mutterhals­zellen zu Krebs entarten lassen.

Einige gutartige Veränderungen an der Haut kennen wir alle, die gewöhnlichen Hautwarzen (Verrucae vulgaris). Sie werden unter anderem von den kutanen HPV-Viren, die zu den „Low-Risk-Typen“ zählen, ausgelöst.

Weitere bekannte Veränderungen sind Feigwarzen (Condyloma acuminata), die vorwiegend im Genital- und Analbereich entstehen, aber auch im Mundbereich auftreten.

Im HNO-Fachgebiet sehen wir zunehmend sogenannte Papillome, die wir am Weichgaumen und an der Uvula (Zäpfchen) finden. Sie sehen aus wie Froschlaich, sind häufig aber sehr klein und entgehen dem schnellen diagnostischen Blick.

Am Kehlkopf lassen sich eher selten Papillome endoskopisch entdecken, die leider häufig zu Rezidiven neigen.

In den Nasennebenhöhlen tritt eine besondere Art von Papillomen auf, die invertierten Papillome, die als diagnostisches Kriterium einseitig auftreten. Sie können nach Jahren entarten und müssen operativ entfernt und auch lange Jahre nachbeobachtet werden.

Schon in den 1970er-Jahren hat Prof. Harald zur Hansen postuliert, dass Viren Krebs auslösen können. Er wurde lange Zeit von den Wissenschaftlern ignoriert, aber seine Hartnäckigkeit und schließlich der gelungene Nachweis der Krebsinduktion haben ihm 2008 den Medizin-Nobelpreis eingebracht.

Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass Tumore im Mundrachen, insbesondere Zungen- und Gaumentonsillentumore, auf HPV-Viren-DNA untersucht werden.

Es gibt mittlerweile mehrere Studien, in denen bei etwa 5 000 Kopf-Hals-Karzinomen 35 % Viren-DNA nachgewiesen wurde. Betrachtet man nur die Mundrachen- und Kehl­kopf­karzinome, waren es 25 %. Die Tonsillentumore (Gaumenmandeln) haben 50 % HPV-Viren in sich, die von HPV 16 ausgelöst werden, der zu 90 % der verursachende Virustyp ist. Die Abklärung der HPV-induzierten Tumore ist prognostisch von großer Bedeutung.

Der Großteil der Patienten mit durch HPV ausgelösten Tonsillenkarzinomen hat eine Überlebensprognose von 80 % nach 5 Jahren. Bei den nicht HPV-induzierten Tonsillenkarzinomen leben nach 5 Jahren noch 30–35 % der Patienten. Interessant ist, dass die Überlebensrate nicht von Noxen (Giften) wie Alkohol und Nikotin abhängt.

Heute zur Verfügung stehende HPV-Tests können 13 High-Risk- und 5 Low-Risk-Virustypen nachweisen. Eine spezifische Zuordnung leistet der Test aber nicht. Er gibt nur Auskunft, ob eine Virusinfektion vorliegt. Vorwiegend bei Frauen wird in der Vorsorge der Pap-Test angewandt. Zusätzliche diagnostische Sicherheit bietet der Digen-HPV-Test, insbesondere bei unklaren Pap-Test-Ergebnissen.

Die gewonnenen Erkenntnisse trugen zu intensiver Forschungsaktivität bei, sodass es seit 2007 Impfseren gibt. Zurzeit sind vom Paul-Ehrlich-Institut drei Seren zugelassen (Cervarix, Gardasil, Silgard), die nicht nur für Mädchen ab dem 9. Lebensjahr zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs und Feigwarzen zugelassen sind, sondern auch für Jungen ab dem 9. Lebensjahr.

In Österreich empfiehlt man mittlerweile auch, die Jungen zu impfen, um die Infektions­kette zu unterbrechen und so auch Schutz vor Warzen im Hals- und Genital­bereich zu bieten. Dies gelingt aber nur mit den tetravalenten Seren (Gardasil, Silgard). Diese haben vier Virustypen in der Impflösung, HPV 6, 11, 16 und 18. So werden nicht nur die Frauen geschützt, auch Männer profitieren davon. Trotz Impfung müssen Vorsorgeuntersuchungen weiter wahrgenommen werden.

Ob diese Impfstoffe auch Schutz vor den virusinduzierten Karzinomen im Mundrachen-Kehlkopf-Bereich bieten, ist zurzeit nicht bekannt. Man darf aber einen Zusammenhang annehmen.

Auffällige Veränderungen im Mundrachen sollten immer operativ entfernt und histologisch abgeklärt werden. Um eine Streuung zu minimieren, werden blutungsarme Verfahren, wie elektrische Schlinge oder Laser, empfohlen.

Viele Studien sind noch nicht abgeschlossen, so- dass in Zukunft weitere Ergebnisse bezüglich HPV-Infektionen und deren Behandlung zu erwarten sind.

Bild: Panthermedia/Sebastian Kaulitzki

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