Artikel erschienen am 01.05.2012
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Gelenkersatzoperationen am Schultergelenk

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig
Karl-Dieter Heller
Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller
Chefarzt der Orthopädischen Klinik, Leiter des Endoprothetik-Zentrums

Das Schultergelenk ist ein sehr gut bewegliches und vornehmlich weichteilgeführtes Gelenk. Die Pfanne ist, um einen großen Bewegungsspielraum zuzulassen, sehr flach, die Kugel sehr groß (Abb. 1). Dies bedingt eine Anfälligkeit für gewisse Instabilitäten bei guter Beweglichkeit.

Kommt es zu einer Schädigung des Knorpels im Schultergelenk so beginnt die Verschleißerkrankung. Während die anfängliche Verschleißerkrankung sehr gut nichtoperativ in Form von Krankengymnastik, Injektionen oder mittels Gelenkspiegellungen therapiert werden kann, so bleibt bei der fortgeschrittenen Verschleißerkrankung des Schultergelenkes zur Behebung der Schmerzen und Verbesserung der Funktion nur noch die Gelenkersatzoperation.

Die Wahl der zu verwenden Prothese sollte dem erfahrenen Operateur überlassen werden. Es stehen verschiedene Prothesenmodelle, vom Oberflächenersatz (Abb. 3) über den kompletten Ersatz mit und ohne Gelenkpfanne (Abb. 1) bis hin zur gekoppelten Prothese (Abb. 2) zur Verfügung. Entscheidend für die Wahl des Prothesenmodells ist die Schädigung des Schultergelenkes und der umgebenden Weichteile im Sinne von Kapsel, Sehnen und Muskeln. Von ganz wesentlicher Bedeutung ist der Zustand der die Schulter umgebenden Muskelmanschette, der sogenannten Rotatorenmanschette. Bei erhaltener Muskelmanschette sind die Funktion und die Stabilität der Schulter meist gut, sodass hier kleine, wenig gekoppelte Implantate, so z. B. ein Oberflächenersatz (Abb. 2), eingebaut werden können. Je nach Schädigung des Oberarmkopfes oder der Pfanne kann dies mit oder ohne Ersatz der Pfanne geschehen.

Abb. 1: Anatomische Prothese

Bei stärkerer Schädigung, insbesondere des Kopfes, so auch bei komplexen Brüchen, können stielgeführte Implantate zur Anwendung kommen (Abb. 1). Bei zunehmender Schädigung der sogenannten Rotatorenmanschette mit Verlust der den Oberarmkopf führenden Kraft, kommt eine sogenannte inverse Prothese zur Anwendung, bei der das Prinzip zwischen Pfanne und Schaft umgekehrt wird. Wie in Abb. 2 zu sehen, wird im Bereich der Schulterpfanne eine Kugel angeschraubt und im Bereich des Oberarmschaftes eine Pfanne verankert, sodass der Drehpunkt der Schulter nach außen verlagert wird. Hierdurch kommt es bei der zumeist vorher extrem bewegungseingeschränkten und schmerzhaften Schulter zu einer Schmerzfreiheit mit einer relativ akzeptablen Funktion.

Abb. 2: Inverse Prothese
Abb. 3: Kappenprothese

Nicht in allen Fällen kann eine volle Funktionsfähigkeit der Schulter wiederhergestellt werden. Diese hängt in entscheidendem Maße vom Zustand der Muskulatur und von der vorher bestehenden Bewegungseinschränkung ab.

Je länger eine Schultersteife oder Bewegungseinschränkung vor der Operation bestanden hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beweglichkeit nicht optimal wiederhergestellt werden kann. Dies liegt daran, dass die verkürzte Muskulatur nicht einfach verlängert oder abgelöst werden kann, da sonst die Stabilität der Schulter gefährdet ist.

Fotos: Heller, Panthermedia/Christian Schwier

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