Artikel erschienen am 01.05.2012
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Bürokratie treibt Kosten

Mit neuen Strukturen. Und Investitionen!

Von Dr. med. Verena Henrike Scholz, Braunschweig

„Im deutschen Gesundheitssystem fallen deutlich mehr Verwaltungskosten an als vermutet. Einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zufolge sind 23 % der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2010 in Höhe von 176 Milliarden Euro bürokratischen Abläufen geschuldet. (…) Das Gesundheitswesen habe durch die Vielzahl von ‚Reformen‘ einen Grad der Komplexität erreicht, der nicht mehr beherrschbar ist, schreiben die Berater. (…) Durch schlankere Strukturen hingegen ließe sich der Beitragssatz (…) senken.“
Der Spiegel 1/2012 vom 02.01.2012

Der oben in Ausschnitten angeführte Spiegel-Artikel sorgte Anfang dieses Jahres für reichlich Gesprächsstoff. Die dahinterstehende traurige Wahrheit wurde in Kollegen- wie Patientenkreisen gleichermaßen engagiert diskutiert. Und das zu Recht. Denn die angeführten administrativen Hürden kosten nicht nur Geld. Sondern auch Gesundheit. Ihre!

Ein richtiger Weg für eine gut organisiertes Zentrum für Radiologische Diagnostik und Nuklearmedizin könnte es daher sein, engere Kooperationen mit Kliniken einzugehen.

Dies gewährleistet die eben dringend geforderten „schlankeren Strukturen“. Zugleich wird auf solch einem eingeschlagenen Weg mit großen Schritten dem Ziel einer optimalen medizinischen Qualität entgegengegangen und eine höchstwertige Diagnostik mit sämtlichen Untersuchungsmodalitäten geboten, die für jede weitere Therapie genutzt werden kann.

Durch den Verbund mit Krankenhäusern können niedergelassene Radiologen ihre Geräte stets mit hoher Auslastung nutzen. Zudem ist es überflüssig, dass sich Kliniken und Krankenhäuser Geräte anschaffen, deren Auslastung gar nicht gewährleistet ist. Oftmals ist die Anschaffung der extrem kostenintensiven Geräte für Kliniken mit einem langwierigen administrativen Prozess verbunden, was dazu führen kann, dass die Geräte, wenn das Geld endlich bereitgestellt wird, wieder veraltet sind.

Für einen selbstständigen Radiologen ist der Kauf – da ein solcher von ihm selbstständig und allein entschieden werden kann – wesentlich leichter umsetzbar. Durch eine Synergie mit Krankenhäusern profitieren unterm Strich alle Beteiligten: Der Patient erhält schneller eine hochwertige Untersuchung, Krankenhäuser müssen nicht unnötig investieren und das Gesundheitssystem unnötig belasten und der Radiologe kann sein Gerät wirtschaftlich betreiben.

Engere Zusammenarbeit – optimierter Informationsfluss

Doch die intensivierte Kooperation mit Kliniken reduziert nicht nur den Verwaltungs­aufwand und die Kosten für Krankenkassen und Patienten. Noch entscheidender ist die optimierte Kommunikation zwischen den Beteiligten. Unmittelbar und gemeinsam können so Kollegen unterschiedlicher Fachrichtungen im direkten interdisziplinären Dialog entscheiden, wann und wie gehandelt werden muss. Ein Vorsprung an Austausch, der in manchen Fällen zum lebenswichtigen Vorsprung an Zeit werden kann.

Diese neue Form der Zusammenarbeit im diagnostischen Bereich wirkt sich zudem auf anderen Ebenen positiv aus. Das gilt zum Beispiel auch für Teilnahmen an interdisziplinären Tumorkonferenzen, die regelmäßig in gut organisierten Kliniken durchgeführt werden.

Verstärktes Netzwerken zum Wohl aller Patienten bedeutet aber heutzutage nicht nur den Abbau von hemmenden Barrieren und die Verschlankung von Strukturen, sondern natürlich auch eine kontinuierliche digitale Vernetzung, die nicht nur mit den regionalen Krankenhäusern, sondern auch mit niedergelassenen Kollegen und anderen Einrichtungen vorangetrieben werden sollte.

Auf Hightech setzen – das kann sich für den Patienten bezahlt machen!

Wobei wir bei einem anderen Stichwort zum Thema Gesundheitswesen wären, das in den letzten Jahre ebenfalls lebhaft, oft auch kontrovers, diskutiert wurde und wird: der sogenannten Gerätemedizin. Während gerade in den Grauzonen der medizinischen Seriosität selbsternannte Gesundheitsberater vor einer zu großen Technologiegläubigkeit warnen, dürfte sich folgende Position durchgesetzt haben:

Medizintechnik macht die Menschen gesünder beziehungsweise kann sie entscheidend die Weichen für einen erfolgreichen Behandlungsverlauf stellen. Und nicht nur das. Auch wenn es paradox klingen mag, die Investition in oftmals sehr teure Untersuchungsgeräte kann auch mit dazu beitragen, Kosten auf breiter Front zu senken.

Schneller und exakter. Neue Geräte ersparen Ihnen vieles!

Zum einen allein schon deshalb, weil die Untersuchungsfristen der neuen Technologien wesentlich kürzer sind und werden. Zum anderen, weil die Exaktheit und Bildauflösung der gewonnenen Aufnahmen so hochwertig sind, dass Wiederholungen der Dia­gnose infolge mangelnder Qualität immer seltener werden. Ein weiterer Aspekt ist der hohe Komfort. Patienten, die sich wohl fühlen, arbeiten einfach besser mit und vermeiden so verwackelte Bilder.

Beispielhaft – das 3-Tesla-MRT

Nehmen Sie zum Beispiel die 3-Tesla-Magnet­resonanz­tomo­graphen jüngster Generation, deren großzügig bemessener, weiter Tunnel keine Platzangst aufkommen lässt und sehr gut für ältere, bewegungs­einge­schränkte oder adipöse Patienten geeignet ist. In dia­gnos­tischer Hinsicht erweist sich dieses Gerät aufgrund der zahlreichen verschiedenen Anwendungs­programme tagtäglich aufs Neue als wahrer Joker.

Beeindruckend sind die optimierten Bildgebungs­techniken im Fall des sogenannten Stagings von Tumoren und/oder Lymph­knoten, bei dem der ganze Körper in einem einzigen, kontinuierlichen Durchlauf auf Metas­tasen untersucht werden kann. Ein weiteres Programm wurde für die Ganz­körper-MRT entwickelt, bei der Untersuchungen in einem Bereich von bis zu 205 cm ohne eine Verlagerung des Patienten realisierbar sind. Dies ist für eine Vielzahl von Erkrankungen relevant, bei denen es gilt, komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Das betrifft zum Beispiel die kardiologischen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Herz-Kreis­lauf-Risiken.

Aber die MRT von heute zeigt ihre Stärken nicht nur bei der Visualisierung von inneren Organen und Gefäßen. Auch für die verschiedenen orthopädischen Fragestellungen sind wir bestens gerüstet. Tag für Tag kann so erlebt werden, wie sich eine Investition zur Optimierung der Diagnostik bezahlt macht. Für die untersuchenden Radiologen, deren Partner von der Therapie und für Sie – den Patienten.

Mehr Technik. Weniger Belastung!

Dass mehr Technik mehr Gesundheit bedeuten kann, zeigt auch die Entwicklung der Computertomographie. Selbst wenn die Bedeutung dieses Verfahrens für die Diagnostik schon lange nicht mehr angezweifelt wird, sorgte die dabei eingesetzte Strahlung in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen, die leider auch zur Irritation mancher Patienten führte. Doch unter der Vorgabe, dass die Minimierung der Strahlendosis höchste Priorität hat, wurde die Entwicklung so forciert vorangetrieben, dass die Strahlung bei einer Lungen-CT heute niedriger ist als bei einer konventionellen Röntgenuntersuchung der Lunge im Jahr 2000.

Vor wenigen Monaten wurde ein weiterer Erfolg auf diesem Weg erzielt. Parallel zu immer kürzeren Dia­gnosezeiten konnte das auf einem neuen Rechenalgorithmus basierende Zusatzprogramm ASIRIS entwickelt werden, mit dem die bis dahin eingesetzte Strahlenmenge um abermals rund ein Drittel verringert wird.

Dosis-Reduktion um 30 %

Natürlich sollte ASIRIS umgehend in die Untersuchungsabläufe integriert werden. Nur dann kann mit gutem Gewissen behauptet werden, dass die gesamten CT-Unter­suchungen, wie zum Beispiel Abdomen- und Thorax-Diagnostik, die Darstellungen der Herzkranzgefäße, von Gelenken wie Knochen und auch die durch die Thomosynthese erweiterte Mamma-Diagnostik, auf höchstem aktuellen Sicherheitsniveau durchgeführt werden können.

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