Artikel erschienen am 07.11.2012
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Netzwerke, Kooperationen & Verbünde

als Lösungsmodell für die Probleme vieler kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)

Von Michael Horstmann, Magdeburg

Die kleinen und mittleren Unternehmen bei uns haben vielfältige Probleme! Oder?

Anscheinend etwa so viele wie die Experten, die je eine Lösung anbieten, eben brauchen. In diesen Kanon stimmt man gern und schnell mit ein, jedoch stellen diese Unternehmen 90 % des gesamten Unternehmensbesatzes unserer Region dar. Was bedeutet das? Zunächst einmal, dass die Bedingungen hier eben genau so sind, dass Unternehmen dieser Größe hier überleben. Viel kleiner geht nicht, viel größer selten. Wenn aber die Bedingungen absolut schlecht wären, dann gäbe es gar keine Unternehmen. Ist also die Größe unserer Unternehmen deren Problem oder das unserer Wahrnehmung, ist Größe per se gut? Ist „too big to fail“ die beste Option? Haben Sie in letzter Zeit einen lebenden Dino getroffen? Ich finde, der Gedanke, dass die hiesigen Unternehmen aus der eigenen (bemessenen) Größe Chancen generieren können, ist verfolgenswert. Im Übrigen bliebe zunächst zu bemerken, dass die großen Unternehmen ebenfalls vielfältige Probleme haben.

Einige Faktoren bedingen scheinbar naturgesetzliche oder gefühlte Wachstumsgrenzen oder Schwellen für Unternehmen, wie z. B. das Arbeitsrecht, Steuerrecht, Prozessgrenzen von Verfahren, Finanzierungsfragen etc. Wenn es demnach an jeder dieser Schwellen extra Energie kostet, darüber hinauszuwachsen und dann in der Folge darüberzubleiben, entsteht sofort die Frage, wie teuer das Wachstum erkauft wird. Welches dringende Problem soll mit dem Wachstum gelöst werden?

Eine andere Frage wäre in diesem Zusammenhang, die nach der minimal notwendigen Größe.

Das hiermit in Verbindung stehende Problem für die KMU ist der heranrückende Fachkräftemangel in der Verbindung mit nicht ausreichend gemanagtem Kompetenzerhalt und entsprechender Wissensbilanzierung. Die Attraktivität eines Unternehmens für gute Leute hat zunächst nichts mit der reinen Größe zu tun, mit der Sichtbarkeit schon. Die Wahrnehmbarkeit als solide Unternehmung ist eine zur Lösung anstehende, aber lösbare Aufgabe.

Das Lösungsmuster ist hierfür ein absolut erprobtes – der mehr oder weniger temporäre Zusammenschluss mehrerer kleiner Akteure, um ein definiertes Ziel (Markterfolg/ Essen/Überleben) gegenüber größeren (Wettbewerb/ Mammut/Angreifer) durchzusetzen. Nun sind in bestimmten Zusammenhängen die Aspekte der Freiheitsliebe der KMU zu gravierend für verbindliche Einkaufsgemeinschaften oder Genossenschaften, aber Netzwerke und Kooperationen können da schneller Lösungen bringen.

Unbedingt wichtig ist dabei ein zielorientiertes Netzwerkmanagement mit klaren Kommunikations- und Netzwerk-(spiel-)regeln.

Ein weiteres öffentlich zugängliches, aber noch lange nicht optimal genutztes Netzwerk ist das World Wide Web und hier mit steigender Bedeutung die sozialen Netze. Dazu kann man stehen, wie man will; es bleibt die Aussicht, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Zahl der noch zu erbringenden Arbeitsjahre einer Person und den Aktivitäten in virtuellen sozialen Netzwerken derselben Person besteht. Sogar die Azubis haben schon Profile im Netz, die für Headhunter extra freigeschaltet sind.

Wenn nun die KMU meinen, selbst zu klein für eine Fachkräfte-Sicherungsstrategie nebst schlagkräftiger Web-Performance zu sein, dann sollten diese über eine Möglichkeit eines Zusammenschlusses nachdenken, die genau das zum Ziel und die Ressourcen zur Umsetzung hat.

Eine weitere Komponente von großer Wichtigkeit ist die Systemhaftigkeit aller Anforderungen und Lösungen. Von den Kunden wird die allgegenwärtige (One-Stop-Agency) „Alles-aus-einer-Hand-Lösung“ immer mehr nachgefragt. Die Unternehmen stehen bei aller schon vorhandenen Anforderungskulisse nunmehr zwangsläufig vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle an die moderne Kundenstruktur anzupassen – auch und gerade mit dafür passend vorbereiteten Mitarbeitern. Bei gleichzeitiger Konzentration auf die Kernkompetenzen bleibt hier nur die Lösung über Kooperationsnetze. Diese Herausforderungen zu managen, bedarf es belastbarer Beziehungen. Im Zusammenschluss mehrerer KMU, je nach Zielstellung fester mit Kooperationsvertrag oder lockerer im Netzwerk, liegen die Lösungen für die Herausforderungen und die Basis für die Chancen.

Qualitatives Wachstum! – Kompetenz schlägt Koloss.

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