Artikel erschienen am 01.03.2014
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Frisches Kapital für Nachfolge und Wachstum

Ein Beteiligungsmanager und ein Banker zu den Vorteilen von „Eigenkapital auf Zeit“

Von Alexander Thoben, Hamburg | Heinz Weber, Hamburg

Nachfolge- und Wachstumspläne führen schnell zu der Frage nach der richtigen Finanzierungsstrategie. Die Möglichkeiten sind vielfältig und komplex. Gute Hausbanken und Beteiligungsunternehmen bieten daher neben frischem Kapital vor allem fundierte Beratungsleistungen, die helfen, auch langfristig die richtigen Weichen zu stellen. Alexander Thoben, Teamleiter Corporate Finance der Hamburger Sparkasse und Heinz Weber von der Haspa BGM – Beteiligungsgesellschaft für den Mittelstand erklären, worauf Unternehmer achten sollten.

Service-Seiten: Herr Weber, Sie sind für die Haspa BGM als Beteiligungsmanager tätig. Wie erleben Sie den derzeitigen Markt für mittelständische Unternehmensbeteiligungen?

Weber: Mittelständische Unternehmen stehen der Aufnahme von externem Eigenkapital deutlich aufgeschlossener gegenüber als noch in der Vergangenheit. Dies liegt im Wesentlichen auch an der erhöhten Akzeptanz familienfremder Gesellschafter im Gesellschafterkreis und der Vorteile, die ein externer Investor bieten kann. Hierzu gehören beispielsweise eine fundierte Beratung bei finanzwirtschaftlichen Themen oder ein professionelles Sparring bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens.

Service-Seiten: In welchen Situationen befinden sich häufig Unternehmen, an denen Sie sich beteiligen? Wann haben Unternehmen Gesprächsbedarf in Sachen Eigenkapital?

Weber: Unternehmen wenden sich insbesondere im Rahmen von Nachfolgesituationen und Wachstumsszenarien an uns. Wenn sich ein Unternehmer aus Altersgründen ganz oder teilweise aus dem Unternehmen zurückziehen möchte und keinen geeigneten Nachfolger aus den eigenen Reihen identifizieren kann, bieten wir ihm eine Lösung mit einem externen Manager an. Starkes Wachstum eines Unternehmens geht meistens mit einem erhöhten Finanzierungs-volumen und somit mit einem steigenden Eigen-kapitalbedarf einher. Dieser übersteigt häufig die Möglichkeiten der Altgesellschafter, sodass der Kontakt zu uns vermittelt wird. Wir führen dann ein erstes Gespräch, um die weitere Vorgehensweise auszuloten.

Service-Seiten: In welcher Form beteiligen Sie sich an Unternehmen?

Weber: Die Haspa BGM beteiligt sich sowohl offen als auch still – d. h. mit Mezzanine-Kapital – an mittelständischen Unternehmen. Als offener Gesellschafter erwerben wir in der Regel einen Minderheitenanteil und werden somit Miteigentümer mit allen Rechten und Pflichten. Daneben bieten wir Unternehmen Mezzanine-Kapital in Form einer „stillen Beteiligung“ oder des Genussrechtes an.

Service-Seiten: Was sind die Vor- und Nachteile dieser Varianten? Hört der Unternehmer bei einer „stillen Beteiligung“ nie wieder etwas von der Beteiligungsgesellschaft?

Weber (lacht): Ebenso wie bei der offenen Beteiligung stehen wir als Beteiligungsgesellschaft mit einer „stillen Beteiligung“ – wie der Unternehmer selbst – voll im Risiko. Mit dem Mezzanine-Kapital stellen wir den Unternehmen „Eigenkapital auf Zeit“ zur Verfügung und verzichten dabei auf bankübliche Sicherheiten. So eine Beteiligung verbreitert die Haftungsbasis, erhöht damit die Kreditwürdigkeit des Unternehmens und ermöglicht so die Umsetzung erfolgversprechender Vorhaben wie größere Investitionen oder den Kauf eines Wettbewerbers. Denn für Banken ist eine Beteiligung häufig die Voraussetzung für eine Darlehensvergabe. Bei einer „stillen Beteiligung“ sind wir zwar nicht im Gesellschafterkreis vertreten. Wir lassen uns aber gewisse Zustimmungsrechte und regelmäßige Reportings vertraglich zusichern. Der Vorteil beider Varianten ist sicher die starke Finanzkraft des externen Investors, der auch in kritischen Situationen mit Kapital und Know-how weiterhelfen kann.

Service-Seiten: Häufig ist zu hören, dass frisches Eigenkapital zu teuer ist. Wie sehen Sie das?

Weber: Grundsätzlich ist Eigenkapital teurer als Fremdkapital, da es nicht besichert ist. Eine wichtige Eigenschaft des Eigenkapitals ist es, als „Puffer“ für das Fremdkapital zu dienen. Da Banken ihre Darlehen je nach Ausfallrisiko ihrerseits mit eigenem Eigenkapital absichern müssen, steigen ihre Kosten mit einer sinkenden Eigenkapitalquote des Kreditnehmers. Somit gilt: Je geringer die Ausfallwahrscheinlichkeit aufgrund einer soliden Eigenkapitalausstattung, desto eher sind Banken bereit, günstigere Kredite zu vergeben. Wird die Eigenkapitalquote erhöht, verbessert sich das Rating und in Summe nivellieren sich auf der Zeitachse die Kosten für Fremdkapital und Eigenkapital.

Service-Seiten: Herr Thoben, bei den Hausbanken denkt der Unternehmer in erster Linie an klassische Kreditfinanzierungen, also an Fremdkapital?

Thoben: Das stimmt. Eine gut aufgestellte Hausbank kann aber noch viel mehr. Als erster Ansprechpartner sollte sie in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen und zielführende Hinweise zu geben. Nehmen Sie beispielsweise das Thema Nachfolge. Wir erleben bei unseren Kunden zum Teil große Unsicherheit bei der Identifikation und Wahl geeigneter Optionen. Der Beratungsbedarf ist groß. Hier setzen wir an und bieten einen systematischen Beratungsansatz und Nachfolgespezialisten. Die Haspa hat als Orientierung den sogenannten „Haspa Nachfolgekompass“ entwickelt. Mit ihm erstellen wir auf Basis einer ausführlichen Analysephase ein aktuelles Unternehmensprofil und leiten daraus – gemeinsam mit dem Unternehmer – eine geeignete Nachfolgestrategie und die weitere Vorgehensweise ab. Eine indikative Unternehmensbewertung ist ebenfalls Teil der Überlegungen.

Service-Seiten: In einigen Fällen werden sich aus diesen Gesprächen auch Finanzierungsanfragen seitens potenzieller Käufer ergeben. Worauf achten Banken hierbei besonders?

Thoben: Für uns als Bank und unsere Beteiligungstochter sind Themen wie die Professionalität des Managements und die Belastbarkeit des Geschäftsmodells notwendige Voraussetzung. Wichtig ist zudem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital. Auch andere Finanzierungsmittel wie Verkäuferdarlehen können zur Umsetzung einer Finanzierung hilfreich sein. Insgesamt erleben Banken in den letzten Jahren eine zunehmende Komplexität von Finanzierungsanlässen, für die viele Häuser, wie auch die Haspa, spezialisierte Teams vorhalten.

Service-Seiten: Immer wieder scheitern mittelständische Unternehmensnachfolgen an zu hohen Kaufpreisvorstellungen der Verkäufer. Wie können aus Ihrer Erfahrung die Vorstellungen von Käufer und Verkäufer zusammengebracht werden?

Thoben: Eine Unternehmensübergabe ist ein hoch komplexer und vor allem emotionaler Prozess. Entscheidend für den Erfolg einer Transaktion ist, dass die Ziele der jeweiligen Interessengruppen klar formuliert und ausgetauscht werden. Hierbei ist der Kaufpreis nur eine Komponente. Insoweit ist es von fundamentaler Bedeutung, die handelnden Personen und Parteien mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen und Zielen zunächst einmal zu verstehen. Hierzu ist eine aufwendige und professionelle Kommunikation notwendig, die auch in schwierigen Phasen innerhalb des Prozesses und der Zusammenarbeit dafür sorgt, dass letztlich die Transaktion umgesetzt wird.

Service-Seiten: Letzte Frage: Mit welchem Zeithorizont muss aus Ihrer Erfahrung gerechnet werden, um mittelständische Unternehmensverkäufe abzuschließen?

Weber: Das ist vor allem davon abhängig, wie gut das Unternehmen vorbereitet und beraten ist. Potenzielle Käufer benötigen zur Abgabe eines verbindlichen Angebotes neben Jahresabschlüssen und Planungsrechnungen eine Vielzahl von Informationen, um das Unternehmen zu verstehen. Ein solcher Prozess, beginnend mit einer Managementpräsentation, der Prüfung der Unterlagen, Verhandlungen über den Unternehmenswert bis hin zu den abschließenden Vertragsverhandlungen kann durchaus 6 – 12 Monate dauern. Deshalb empfehlen wir den Unternehmern, sich rechtzeitig mit diesem Thema zu beschäftigen und bereits sehr früh ein Gespräch mit uns zu führen. Wir bieten interessierten Unternehmern zudem an, dass sie sich jederzeit mit einem unserer Portfoliounternehmen in Verbindung setzen und sich so über die Zusammenarbeit informieren können.

Service-Seiten: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Unternehmensinfo

Haspa BGM ist einer der führenden Eigenkapitalinvestoren in Norddeutschland und ein seit über 15 Jahren etablierter Partner mittelständischer Unternehmen. Sie bietet maßgeschneiderte, langfristige Lösungen insbesondere für Wachstumsunternehmen und anstehende Nachfolgeregelungen. Als Tochtergesellschaft der Hamburger Sparkasse AG kann die Haspa BGM im Gegensatz zu anderen Beteiligungsgesellschaften ohne Laufzeitbeschränkung agieren. Dies bietet Portfoliounternehmen die Chance, sich ohne zeitlichen Druck zu entwickeln.

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