Artikel erschienen am 09.01.2019

Innovation as a Service

Multi-Corporate-Acceleratoren als ausgelagerte Entwicklungsabteilung

Von Andreas Mansfeld, Hamburg

Sogenannte Accelerator-Programme fördern das Wachstum junger Digitalunternehmen und öffnen ihnen Türen. Doch auch etablierte Unternehmen können von ihnen profitieren. In Hamburg gehen nun zwei weitere Programme für Handel und Logistik an den Start.

Die digitale Transformation des Geschäftsmodells ist für viele Unternehmen zur Grundsatzfrage geworden. Es gilt, ergebnisoffene Veränderungsprozesse anzustoßen – ohne Planzahlen und Erfahrungswerte. Die etablierten F+E-Strukturen sind dafür i. d. R. wenig geeignet. Sie sind auf eine kontinuierliche Fortentwicklung des Bestehenden ausgerichtet. Disruptive Ansätze laufen dieser Logik tendenziell entgegen.

Organisatorisch stellt sich daher die Frage nach der optimalen Verortung von Innovationsentwicklungen. Eine weitreichende Unabhängigkeit vom Unternehmenskern ist unbedingt angezeigt. Es sollten aber auch keine Parallelwelten aufgebaut werden, denen der Bezug zum Stammgeschäft abhandenkommt.

Einen erfolgversprechenden Ansatz versprechen Acceleratoren. Diese Start-up-Beschleuniger bilden ein lebendiges Experimentierfeld, das etablierte Unternehmen für sich nutzbar machen können.

Drei Varianten haben sich durchgesetzt. Traditionelle Acceleratoren werden vorrangig aus der Investmentperspektive betrieben. Initiatoren sind Kapitalgeber, die in erster Line am ROI interessiert sind. Kontakte zur Industrie sind im laufenden Beschleunigerprogramm hier nur eingeschränkt möglich, weil die Start-ups sich zu früh in exklusive Kooperationen begeben sollen, die das Investorenspektrum in der abschließenden Finanzierungsrunde beschränken könnten.

Eine zweite Variante sind Corporate Accelerators, die von einzelnen Unternehmen initiert werden. Vorrangiges Ziel ist hier der exklusive Zugang zu Ideen und Technologien, die am Ende des Programms leicht und mit wenig Konkurrenz in die Unternehmensstrategie integriert werden können.

Eine dritte Variante sind Multi-Corporate-Accelerators, die von mehreren Unternehmen initiiert und mit Kapital unterlegt werden. Dieses Format bringt verschiedene Vorteile: Die Betriebskosten pro Partner sinken, Investitionsrisiken werden gestreut und die Kontaktfläche zu innovativen Start-ups verbreitert sich. Die teilnehmenden Start-ups wiederum können sich bei Kooperationen und bei der Investorensuche relativ frei im Markt bewegen. Der Multi-Corporate-Ansatz fördert zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Vor dem Hintergrund der durch die Digitalisierung zunehmend verflüssigten Branchengrenzen können sich die Investoren flexibel zusammenfinden und ihre Interessen aufeinander abstimmen.

Unter dem Stichwort „Innovation as a Service“ bieten die Acceleratoren den Investoren und Partnern einen flexibel steuerbaren Innovationsfluss. Attraktiv ausgestattete Programme an guten Standorten ziehen Gründer aus der ganzen Welt an. Damit ergibt sich eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten. Am Ende eines Programms können die Investoren dann idealerweise ganze Geschäftsmodelle oder alternativ einzelne Produkte und Talente über die Folgefinanzierung an sich binden.

In Hamburg gehen zwei neue Multi-Corporate-Programme an den Start. Zu dem bereits sehr erfolgreichen, von der Deutschen Presseagentur initiierten Next Media Accelerator (NMA) gesellen sich zwei baugleiche Programme für Handel und die Logistik. Dabei werden die Branchengrenzen bewusst weit gefasst. Der Next Logistics Accelerator (NLA) sammelt Start-ups aus dem sogenannten WIOTTA-Segment, also mit Geschäftsideen zu Warehousing, Internet of Things, Transport/ Mobility und Adjacent Services. Beim Next Commerce Accelerator (NCA) reicht das Portfolio von klassischen E-Commerce-Geschäftsmodellen hinein in die angrenzenden Bereiche Services, Advertising und Technology.

Bild: Haspa

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