Artikel erschienen am 19.11.2018

Die Unternehmensnachfolge

Finanzierung der Übernahme ist Dreh- und Angelpunkt

Von Michael Feldmeier, Hamburg

Der Blick in die Zukunft erfüllt viele Firmeninhaber mit Sorge, denn die Suche nach einem geeigneten Nachfolger erweist sich als äußerst schwierig. Immer mehr übergabebereite Unternehmer stehen immer weniger übernahmewilligen Jungunternehmern gegenüber. Müssen Unternehmen aufgeben, weil kein passender Nachfolger gefunden wurde, ist dies nicht nur für den Inhaber schmerzlich. Es hat auch für dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für den Wirtschaftsstandort Hamburg insgesamt erhebliche Konsequenzen.

Nach einer Umfrage der Handelskammer Hamburg im Januar 2017 gaben 61, 1 % der befragten Unternehmen an, noch keinen Nachfolger gefunden zu haben. Bei 4 800 Familienunternehmen mit rund 86 000 Beschäftigten steht in Hamburg bis zum Jahr 2022 die Übergabe an. Das hat das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) errechnet. Die HWB Unternehmensberatung spricht in einer Studie von 3 000 Unternehmen mit rund 87 500 Mitarbeitern bis zum Jahr 2025. Auch wenn die Zahlen voneinander abweichen, verdeutlichen sie die Dimension des Problems. Nicht zuletzt deshalb hat sich das Fördernetzwerk Hamburg, in dem die Wirtschaftsfördereinrichtungen der Stadt kooperieren, in dem kürzlich erstellten Arbeitspapier „Unternehmens-nachfolge in Hamburg“ dieses Themas angenommen.

Demografischer Wandel auch im Mittelstand

Als ein Treiber der Entwicklung machen die Autoren den demografischen Wandel aus, von dem der stark eigentümergeprägte Mittelstand besonders betroffen ist. Das Durchschnittsalter der Unternehmenslenker kleinerer und mittlerer Unternehmen in Hamburg beträgt 50 Jahre. Rund 60 % sind aber bereits älter. Sie bevorzugen zwar die familieninterne Nachfolgeregelung, doch oft steht hierfür kein geeigneter Kandidat zur Verfügung, weshalb übergabewillige Unternehmer immer öfter vor der Herausforderung stehen, einen externen Nachfolger zu suchen und zu finden.

Investitionsstau sorgt für zusätzlichen Finanzierungsbedarf

Neben der Berechnung einer „Herzblutrendite“ für ihr Lebenswerk kommt erschwerend hinzu, dass sich die Unternehmenschefs mit höherem Alter sowohl aus Investitionen als auch aus Innovationen zurückziehen, sodass Übernehmer zunächst auch einen Investitionsstau im Unternehmen auflösen müssen. Für die Übernahmewilligen wird daher oftmals die Finanzierung der Übernahme der Dreh- und Angelpunkt. Meist sind größere Summen zu stemmen und das fällt vielen schwer. Trotz des günstigen Zinsumfelds berichteten 40 Prozent der Übernahmewilligen im Jahr 2017 laut DIHK-Report von Finanzierungsschwierigkeiten.

Die öffentliche Förderung will zur Lösung dieses Problems einen wirksamen Beitrag leisten. Mit dem Förderangebot „Hamburg-Kredit Gründung und Nachfolge“ unterstützt die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) in Kooperation mit der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg (BG) Existenz-gründungen und Unternehmensübernahmen zu günstigen und risikogerechten Konditionen und gibt so eine erfolgreiche Antwort auf den demografischen Wandel in der Hamburger Wirtschaft. Das Angebot ist über die jeweilige Hausbank erhältlich, die partnerschaftlich mit eingebunden ist und die Kreditmittel bei den Förderinstituten abruft.

Öffentliche Fördermittel inklusive Bürgschaft

Der „Hamburg-Kredit Gründung und Nachfolge“ beinhaltet zinsgünstige Darlehen bis zu 500 000 Euro mit einer Laufzeit zwischen 5 und 10 Jahren, die von der IFB Hamburg bereitgestellt werden. Zur Absicherung dient eine Bürgschaft der BG für bis zu 80 % der Darlehenssumme. Durch eine Zinssubvention der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation werden die Darlehenskonditionen zusätzlich verbessert. Die Kreditobergrenze je Kreditnehmer liegt bei insgesamt 1 Mio. Euro innerhalb von drei Kalenderjahren. Mit diesem Angebot können aussichtsreiche Vorhaben in Hamburg die nötige Finanzierung erhalten. Das stärkt den Standort und sichert Arbeitsplätze. Existenzgründungen und
Unternehmensübernahmen sollen nicht an Finanzierungslücken oder fehlenden Sicherheiten scheitern.

Eine gesicherte Finanzierung ist ein wesentlicher, wenngleich nicht alleiniger Baustein für den Erfolg einer Unternehmensnachfolge. Wie sie weiter gefördert werden kann, dazu enthält das Arbeitspapier des Fördernetzwerkes Hamburg eine Reihe von Empfehlungen. Dazu zählen die rechtzeitige Sensibilisierung der Inhaber für das Thema, die Einrichtung einer Informationsplattform „Unternehmens-nachfolge in Hamburg“ mit allen relevanten Informationen, ein stärkeres Engagement in den Gründungsnetzwerken und auch positive Rollenvorbilder.

Förderlotsen bieten Orientierung

Von der Existenzgründung bis zur Unternehmensnachfolge: Zentrale Anlaufstelle in Hamburg zum Thema öffentliche Förderung in den Bereichen Wirtschaft, Innovation und Umwelt ist das IFB Beratungscenter Wirtschaft. Die hier tätigen Förderlotsen bieten nicht nur Informationen und Beratung zu den Förderprogrammen der IFB Hamburg, sondern auch zu anderen Landes- oder Bundesprogrammen. Die IFB Hamburg ist zudem Partner des Enterprise Europe Networks (EEN) und bietet eine besondere Kompetenz in den EU-Förderthemen.

Hamburg-Kredit Gründung und Nachfolge

Die Konditionen auf einen Blick:

  • Finanzierungsanteil bis 100 %
  • Eigenmittelanteil zwischen 7,5 % und 15 % des Vorhabens
  • fester Zinssatz über die gesamte Laufzeit von maximal 10 Jahren
  • bis zu 500 000 Euro pro Vorhaben und bis zu 1 Mio. Euro in drei Kalenderjahren je Kreditnehmereinheit unter Berücksichtigung der jeweiligen Bürgschafts-obergrenze der BG.

So funktioniert es

  1. Nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Bankberater auf.
  2. Beantragen Sie den Kredit bei einem Kreditinstitut Ihrer Wahl einschließlich einer Ausfallbürgschaft der BG.
  3. Die BG prüft Ihren Bürgschaftsantrag und teilt Ihnen, Ihrem Kreditinstitut und der IFB Hamburg das Ergebnis mit.
  4. Die IFB Hamburg prüft die Förderfähigkeit Ihres Antrags und informiert Ihr Kreditinstitut.
  5. Schließen Sie den Vertrag bei Ihrem Kreditinstitut ab.
  6. Lassen Sie die Mittel durch Ihr Kreditinstitut abrufen.
  7. Starten Sie Ihr Vorhaben.

Bild: Fotolia/denisismagilov

Ähnliche Artikel

Finanzen Steuern Recht

Der Beirat im Familienunternehmen

Die zunehmende Komplexität aller unternehmerischen Prozesse sowie der permanente Preis- und Kostendruck und die starke Einbindung in das Tagesgeschäft können zu erheblichen Belastungen mit Gefahren für das Unternehmen führen. Hier können kompetente Beiräte zur Entlastung und zur Optimierung der Entscheidungsprozesse beitragen.

Ostwestfalen/Lippe 2019 | Martin Schrahe, Herford | Dipl.-Kff. Heike Niemann, Herford

Finanzen Steuern Recht

Innovatives Produkt entwickelt – und nun?

Der Bund investiert jährlich Milliarden in die Entwicklung neuer Technologien. Diese Forschungsförderung soll Deutschland in zentralen Zukunftsbereichen ganz nach vorne bringen. Denn, wie es der kürzlich verstorbene Roman Herzog (Bundespräsident a. D.) bereits 1997 formulierte: „Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal“.

Hamburg 2017 | Dr.-Ing. Harald Eifert, Hamburg | Boris H. Buckow, Hamburg