Artikel erschienen am 20.02.2017

Innovatives Produkt entwickelt – und nun?

Von Dr.-Ing. Harald Eifert, Hamburg | Boris H. Buckow, Hamburg

Der Bund investiert jährlich Milliarden in die Entwicklung neuer Technologien. Diese Forschungsförderung soll Deutschland in zentralen Zukunftsbereichen ganz nach vorne bringen. Denn, wie es der kürzlich verstorbene Roman Herzog (Bundespräsident a. D.) bereits 1997 in seiner historischen „Ruck-Rede“ formulierte: „Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal“.

Eine Innovation ist per Definition die erfolgreiche Umsetzung einer Idee im Markt mit den typischen Schritten Idee – Entwicklung – Markteinführung – Investition und Diversifikation. Erfolgreich praktizierte Innovationsprozesse nutzen hierbei nicht nur eigene Ideen und Vertriebswege, sondern entstehen aus der Zusammenarbeit vieler Akteure. Besonders kleine und mittel­ständische Unternehmen (KMU) bedienen sich einer Expertise von außen, um Lösungen für eigene Innovations­frage­stellungen zu finden.

Netzwerke sind dafür eines der am weitesten verbreiteten Instrumente für die Interaktion mit Kunden und Entwick­lungs­partnern, aber auch mit potenziellen Wett­bewerbern.

Während Branchennetzwerke wie Verbände oder regionale Cluster-Organisationen meist Interessensvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung im Fokus haben, sind technologieorientierte Innovationsnetzwerke anders gestaltet. Ziel der meist überregional ausgerichteten Netzwerke ist es, in konkreten Verbünden von Unternehmen unterschiedlichster Größe und Wert­schöpfungs­stufe innovative Produkte oder Dienst­leistungen und neue Geschäfts­modelle zu entwickeln.

Ideen

Eine sehr erfolgreiche Möglichkeit, um Ideen im Rahmen einer „open innovation“-Strategie zu generieren, bieten die vom Bund geförderten ZIM Technologie- und Kompetenznetzwerke. Geleitet werden solche Innovationsnetzwerke durch vom Bund akkreditierte Netzwerkmanagementeinrichtungen. Die EurA AG ist ein mit sechs Standorten akkreditiertes Unternehmen und betreut z. Zt. 25 solcher Innovationsnetzwerke zu verschiedenen Themen- und Fragestellungen bundesweit. In solchen Netzwerken sind typischerweise 8 bis 15 KMUs, zwei/drei Forschungseinrichtungen oder Hochschulen sowie Anwender (teilweise Großunternehmen) als assoziierte Netzwerk­teilnemer organisiert. Diese Netzwerke laufen i. d. R. drei Jahre.

Ziel dieser Netzwerke ist die Weiterentwicklung und Anwendung neuer Technologien und das Schaffen von Konzepten und Lösungen zur Entwicklung und Markteinführung neuer innovativer Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle. Die hierzu entwickelten Lösungsansätze werden konkretisiert sowie technisch und betriebswirtschaftlich bewertet.

Entwicklung

Um die Entwicklung zu beschleunigen, empfiehlt es sich in vielen Fällen, einen Experten zu konsultieren, der die verschiedenen involvierten Akteure betreut, deren Aktivitäten koordiniert, passende Förderprogramme recherchiert, Förderanträge formuliert und diese für jeden involvierten Partner letztlich beim ausgewählten Projektträger einreicht und alle weiteren Aktivitäten bis zum Zuwendungsbescheid übernimmt und koordiniert. Ferner ist es ratsam, nach Erhalt eines Zuwendungsbescheides diesen ebenfalls durch einen Experten prüfen zu lassen. Sogar die Abrechnung der genehmigten Fördermittel während der Projektlaufzeit sollte von einem Fachmann übernommen werden, um Fehler zu vermeiden und z. B. Fristen einzuhalten.

Gefördert werden in der Entwicklungsarbeit Aufwendungen für Personal, Material und Fremdleistungen sowie notwendige Investitionen in Maschinen und Anlagen. Für solche Entwicklungsprozesse bieten Bund- und Bundesländer attraktive Zuschuss-, Darlehens- und Beteiligungsprogramme. Auch fehlendes Eigenkapital kann über bestimmte Förderprogramme kompensiert werden. Beispiele für Zuschussprogramme sind hier z. B. das ZIM-Programm, das Programm KMU-Innovativ oder das PROFI Programm der Investitions- und Förderbank Hamburg. In diesen Programmen erhalten Unternehmen typischerweise zwischen 200 000 Euro und 1,5 Mio. Euro Zuschussförderung.

Markteinführung

Nachdem die Entwicklungsphase erfolgreich abgeschlossen ist und z. B. ein funktionsfähiger Prototyp entwickelt wurde, kann die Markteinführung über Darlehens- oder Zuschussprogramme der EU gefördert werden. Das Programm KMU-Instrument finanziert beispielsweise Kosten der Markteinführung eines innovativen Produktes oder Verfahrens auf dem europäischen Markt.

Gefördert werden u. a. Kosten der Demonstration und Erprobung, die Anpassung eines bereits entwickelten Produktes auf verschiedene Marktanforderungen in unterschiedlichen EU-Ländern sowie typische Kosten, die mit der Implementierung des Produktes auf dem europäischen Markt einhergehen. Der mögliche zu erhaltende Zuschuss beträgt max. 2,5 Mio. Euro bei einer 70 %-igen Förderquote.

Da sich die Anforderungen der EU-Förderung deutlich von denen deutscher Förderprogramme unterscheiden, können auch hier spezialisierte Experten die Antragstellung unterstützen und die Erfolgsaussichten für eine Förderung deutlich erhöhen. Aufgrund der Komplexität sollten Beratungsunternehmen hierfür eigene Spezialisten im Hause beschäftigen, die durch ihre jahrelangen Erfahrungen viele Mandanten bei der Antragstellung erfolgreich in verschiedenen Phasen unterstützt haben.

Auch hier können Inno­vationsnetzwerke die Markteinführung hilfreich unterstützen, da aus Netzwerken heraus typischerweise mit potenziellen Abnehmern und industriellen Anwendern bereits Kontakt besteht.

Bei Förderdarlehen muss das sog. Hausbankverfahren in Anspruch genommen werden und zu stellende Sicherheiten rücken in den Fokus der Beurteilung. Problematisch ist hierbei vielfach, dass Markteinführungskosten i. d. R. Betriebsmittel sind, die typischerweise keine werthaltigen Sicherheiten darstellen. Haftungs­freistellungen oder alternative Ausfall­bürg­schaften können hier weiterhelfen.

Investition und Diversifikation

Investition und Diversifikation folgen der Markt­einführung, sofern sich eine Marktakzeptanz des entwickelten Produktes oder Verfahrens abzeichnet. Um die Produktions­kapazitäten zu erhöhen oder zu diversifizieren, sind vielfach Investitionen in Maschinen und Anlagen und entsprechend geschultes Personal erforderlich. Dies begründet wieder einen Förder­tatbestand zur Inanspruch­nahme möglicher Förder­darlehen des Bundes (z. B. KfW) oder der Länder (Investitions- und Förderbank Hamburg; Investitions­bank Schleswig-Holstein).

Fazit

Gerade für klein- und mittelständische Unternehmen ist die professionelle Begleitung des kompletten Innovationsprozesses von der Ideenfindung über die oft gemeinsame Entwicklungsarbeit mit anderen Unternehmen, die Markteinführung, die Finanzierung von Investitionen und die Beratung zur Diversifikation in technischer sowie in betriebswirtschaftlicher Hinsicht von elementarer Bedeutung.

Bild: Fotolia/Coloures-pic

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