Artikel erschienen am 21.02.2018
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Wachstum durch M&A im Mittelstand

Das eigene Geschäft durch gezielte Zukäufe strategisch weiterentwickeln

Von Dietmar Flügel, Düsseldorf | Matthias Meyer, Düsseldorf

Angesichts prall gefüllter Kassen stehen viele Führungskräfte und Gesellschafter erfolgreicher Mittelständler vor der Frage, wie sie dieses Kapital renditeorientiert investieren sollen – insbesondere da negative Zinsen die Freude am komfortablen Liquiditätspolster nachhaltig trüben. Neben Investitionen in organisches Wachstum werden im aktuellen Marktumfeld zunehmend auch Akquisitionsmöglichkeiten in Betracht gezogen. Dem sollte jedoch eine klare Wachstumsstrategie zugrunde liegen, die dem häufig bestehenden Handlungsdruck zur Digitalisierung des etablierten Geschäftsmodells Rechnung trägt.

Akquisitionen strategisch angehen, nicht opportunistisch agieren

Die Rahmenbedingungen für M&A-Transaktionen bleiben zum Jahresbeginn 2018 günstig. Hohe Cash-Bestände bei Unternehmen, unverändert großer Anlagedruck für Finanzinvestoren und historisch günstige Finanzierungskonditionen führen in Verbindung mit positiven Wachstumserwartungen und attraktiven Bewertungsniveaus zu einem lebhaften Transaktionsgeschäft. Durch den regen Dealflow – gerade im Segment der kleinen und mittelgroßen Transaktionen – eröffnen sich vielfältige Chancen für Zukäufe, da nun zahlreiche Assets auf den Markt kommen. Attraktive Bewertungsniveaus auf den Kapitalmärkten beflügeln jedoch neben der Bereitschaft der bisherigen Eigner über einen Unternehmensverkauf nachzudenken gleichzeitig auch deren Kaufpreisvorstellungen.

Nach der Ansprache durch den M&A-Berater des Verkäufers gilt es im Rahmen eng getakteter M&A-Prozesse zeitnah zu entscheiden, ob knappe Zeit und Ressourcen in eine detaillierte Prüfung investiert werden sollen. Allein die Tatsache, dass ein Unternehmen zum Verkauf steht, macht es interessant. Wenn das Geschäft des Zielunternehmens noch dazu auf „Stand-alone“- Basis sehr attraktiv erscheint, ist die Versuchung groß, situativ eine passende Gelegenheit zu wittern. Entscheidend ist in diesem Kontext aber die Frage, ob die Akquisition dieses Geschäfts überhaupt zur eigenen strategischen Ausrichtung passt und inwieweit hierdurch Mehrwert geschaffen werden kann.
So verlockend eine vermeintliche Opportunität erscheinen mag, gilt es unter allen Umständen, das nur allzu leicht aufkommende „Deal-Fieber“ zu vermeiden, am Ende dessen im schlimmsten Fall teure Fehlkäufe stehen können. Anstatt opportunistisch auf Kaufmöglichkeiten zu reagieren, gehen mit M&A erfolgreiche Unternehmen das Thema daher proaktiv an. Auf Basis einer klaren Unternehmensstrategie mit definierten M&A-Zielen identifizieren sie bereits im Vorfeld passende Kaufoptionen. Anhand einer priorisierten Liste von Übernahmekandidaten kann so schnell und mit kühlem Kopf entschieden werden, welche Deals tatsächlich verfolgt werden sollen.

M&A zielgerichtet zur Umsetzung der Wachstumsstrategie einsetzen

Am Anfang einer erfolgreichen M&A-Strategie steht die Aufgabe, Klarheit über die wesentlichen Werttreiber zu erlangen und festzulegen, welche Wachstumsfelder wie – organisch oder durch M&A – erschlossen werden sollen. Ausgehend von einem tiefgreifenden Verständnis marktseitiger Chancen und Risiken, relevanter Wettbewerbsentwicklungen und Technologietrends wird das bestehende Geschäftsmodell kritisch überprüft, strategische Handlungsoptionen werden sorgfältig abgewogen und Handlungsbedarfe abgeleitet.

Darauf aufbauend wird für ausgewählte Zielunternehmen vorab eine Akquisitionsthese formuliert, aus der klar hervorgehen muss, wie durch die jeweilige Transaktion Wert geschaffen und welches Chancen-Risiko-Profil dabei noch akzeptiert werden kann. Diese gilt es in einem etwaigen Transaktionsprozess durch eine fundierte Due Diligence kritisch zu prüfen und ermöglicht die Fokussierung auf entscheidende Transaktionsaspekte.

Fazit

Unternehmen, die bereits im Vorfeld eine durchdachte M&A-Strategie erarbeitet haben, bietet sich die Chance, das derzeit günstige Transaktionsumfeld dafür zu nutzen, um ihre Wettbewerbsposition im bestehenden Geschäft durch gezielte Zukäufe zu stärken sowie selektiv neue Fähigkeiten zur Anpassung und/oder Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells im Rahmen der Digitalisierung zu erwerben.

Bild: Fotolia/andranik123

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