Artikel erschienen am 09.01.2018

Unternehmensnachfolge passgenau gestalten

Wie sich Erfolgsgeschichten fortsetzen…

Von Rainer Breselge, Hannover

Tausende erfolgreiche Unternehmer in Niedersachsen stehen jedes Jahr vor der gleichen Frage: Was wird aus meinem Unternehmen, wenn ich in den Ruhestand gehe? Heutzutage übergeben die meisten ihren Betrieb nicht mehr an den eigenen Nachwuchs – häufig treten erfahrene Mitarbeiter oder ehemalige Wettbewerber die Nachfolge an. Sie müssen zum Unternehmen passen, damit die Erfolgsgeschichte der Firma weitergehen kann.

Senior-Unternehmer haben der alljährlichen DIHK-Studie zufolge Jahr für Jahr mehr Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Seit 2008 ist ihr Anteil von 35% auf nunmehr 45% gestiegen.

Diese „Nachfolgelücke“ wird vermutlich noch größer werden. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel. Dazu sind immer weniger junge Menschen bereit, die Herausforderungen und Risiken einer Übernahme einzugehen. Schließlich spielen die hohen Finanzierungshürden eine große Rolle. 45 % aller übernahmeinteressierten Unternehmer berichten hier von Schwierigkeiten.

Statistik: 45% der Senior-Unternehmer finden keinen Nachfolger

Rechtzeitig erfahrene Berater hinzuziehen

Die Nachfolge in einem Unternehmen zu organisieren ist für alle Beteiligten eine einzigartige Herausforderung. Schließlich passiert eine Übergabe selten öfter als einmal pro Generation. Aufgrund der Seltenheit kann intern keine Expertise aufgebaut werden – das notwendige Know-how muss also von außen kommen.

Immerhin können Senior-Unternehmer eine Übergabe aus Altersgründen gut vorhersehen und gut planen. Trotzdem suchen 80 % von ihnen erst weniger als zwei Jahre zuvor einen Berater auf. Wenn der Nachfolger das Unternehmen bereits gut kennt, fällt die Einarbeitung leichter. Er kann dann nach und nach in die Unternehmerrolle hineinwachsen.

Fachliche Qualifikation ist natürlich essenziell. Auch muss der Nachfolger bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Er muss kreativ sein und seine Mitarbeiter motivieren können. Der Jung-Unternehmer braucht Zeit, sich im Unternehmen zurechtzufinden. Kunden und Mitarbeiter muss er erst von sich überzeugen. Oft ist es sinnvoll, den abgebenden Unternehmer einige Monate mit an Bord zu lassen. Geschäftspartner und Kollegen werden so schonend beim Übergang mitgenommen.

Rechtzeitig mit der Finanzplanung beginnen

Die Grundlage jeder wohldurchdachten Finanzierung ist ein fundierter Businessplan. Darin setzt sich der Nachfolger intensiv mit den Chancen und Risiken des Vorhabens auseinander. Er hilft dabei, Partner zu überzeugen und ermöglicht ein eigenständiges Controlling. Die Planung sollte auch nach der Übernahme ständig aktualisiert werden. Schließlich gilt es zu überprüfen, ob sich das Unternehmen plangemäß entwickelt. Zu Inhalten und Gestaltung eines Businessplans beraten die Gründungsexperten der Kammern (IHK, HWK) in Niedersachsen. Vor allem bei großen und komplexen Vorhaben empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einer qualifizierten Beratungsgesellschaft.

Wenn der Plan steht, gilt es den Unternehmenswert zu ermitteln und Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten einzuholen. Hier helfen ebenfalls neutrale Berater von Kammern und Banken. Sie kennen sich mit Firmenbewertungen aus und können Branchenbesonderheiten einschätzen. Der Jungunternehmer sollte darauf achten, dass er den Firmenwert in maximal zwölf Jahren zurückzahlen kann.

Die richtigen Finanzierungspartner finden

Oft müssen große Summen aufgebracht werden. Das erfordert Sicherheiten, Fremdkapitalgeber fordern zudem ein angemessenes Eigenkapital. Auch für die künftige Stabilität des Unternehmens braucht es Spielraum, um auf positive wie negative Entwicklungen reagieren zu können. Die Niedersächsische Bürgschaftsbank (NBB) und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen (MBG) begleiten Jahr für Jahr rund 100 Unternehmensnachfolgen in Niedersachsen – und das seit Jahrzehnten. Die NBB gleicht fehlende Sicherheiten aus und die MBG stellt zusätzliche Eigenmittel zur Verfügung. Beide Gesellschaften bringen Erfahrung und Weitsicht in jedes Projekt und fördern mit vorausschauender Planung einen reibungslosen Übergang.

Eine maßgeschneiderte Lösung für jedes Projekt

Die langjährige Erfahrung mit Unternehmensnachfolgen ermöglicht passgenaue Finanzierungen. Mit Sicherheiten, auf die sich Unternehmen und Kreditinstitute verlassen können. Gemeinsam beurteilen NBB und MBG die individuell wesentlichen, finanzierungsrelevanten Punkte. Ob Verkäuferdarlehen, Übergangsregelungen, Kaufpreise und Mieten für Objekte und Gegenstände oder Abschläge bei Kunden- und Mandantenverlusten – für jeden Kunden gibt es eine bedarfsgerechte Lösung.

NBB und MBG arbeiten eng mit den Hausbanken zusammen. Das ist vorteilhaft für alle Beteiligten: Die Hausbank verteilt das Risiko eines Kreditausfalls auf mehrere Schultern, indem die NBB einen Anteil übernimmt. Die Bürgschaftshöhe kann bis zu 1,25 Mio. Euro betragen. Kredite werden mit einer bis zu 80-prozentigen Ausfallbürgschaft werthaltig besichert. Dadurch verbessern sich die Konditionen für den Kreditnehmer. Weiterhin kann eine stille Beteiligung der MBG sein Eigenkapital um bis zu 2,5 Mio. Euro stärken. Der Mindestbetrag liegt bei 50 000 Euro. Mit einer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren ermöglicht das Investitionen und unternehmerische Innovationen. Sie profitieren zusätzlich vom Know-how der MBG und ihrer Erfahrung in der Gestaltung von Finanzierungen. Ein starkes Netzwerk verschafft Unternehmensnachfolgen die besten Chancen. Wir begleiten Sie gern auf dem Weg zu Ihrer passgenauen Nachfolgeregelung.

Checkliste Unternehmensnachfolge

  1. Frühzeitig anfangen!
  2. Informationen bei Banken und Kammern anfragen!
  3. Neutrale Berater in die Preisfindung einbinden!
  4. Kollegen und Mitarbeiter ins Boot holen: auf Verunsicherungen eingehen!
  5. Wichtige Kunden und Lieferanten informieren!

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